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Auktion 947 Alte Kunst  
21. November 2009
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Zoom ev. >500KB
 
Lot 1006
EUR  80.000  -  85.000
USD 103.120  -  109.565
 
BARTOLOMEO VIVARINI 
um 1432 Murano - um 1499
 

HL. KATHARINA

 
 
Eitempera auf Holz. 141 x 38 cm.

Literatur
Über den Künstler Catarina Schmidt Arcangeli: Antonio Vivarini und seine Werkstatt. Tradition und Innovation in zwei vergessenen Altarwerken, in: Jahrbuch der Berliner Museen 50, 2008, S. 53-77.
 

Die Tafel mit der ganzfigurigen heiligen Katharina war wahrscheinlich im unteren Stockwerk eines Polyptychons zu Seiten einer thronenden Madonna oder eines Heiligen positioniert. Die Malerfamilie der Vivarini gehörte in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts zu den führenden Werkstätten Venedigs, die in der Anfertigung von mehrteiligen Altarwerken spezialisiert waren, und zwar nicht nur für Auftraggeber in Venedig und im Veneto, sondern auch in den Marken, in Dalmatien, in Kalabrien und Apulien. Ab 1450 wird die bestehende Partnerschaft zwischen Antonio Vivarini und dem deutschen Künstler Giovanni d´Alemagna durch den Tod des letzteren unterbrochen und eine Zusammenarbeit der beiden Brüder Antonio und Bartolomeo Vivarini nachweisbar. Gemeinsam signieren sie 1450 das monumentale Altarwerk für die Certosa in Bologna (heute Pinacoteca in Bologna). Das Bild der heiligen Katharina zeigt die für die Vivarini-Werkstatt typische Maltechnik in Eitempera sowie eine Punzierung am Nimbus, bestehend aus innerer und äußerer Perlenreihe sowie einer Reihe aus Rosetten mit dazwischen gesetzten Kreisen, wie man sie in anderen Werken der Vivarini findet (z. B. in dem Polyptychon für San Francesco Grande in Padua), die in die Zeit um 1453-60 datiert werden. Um 1450-60 lassen sich in der Vivarini-Werkstatt sowohl Darstellungen nachweisen, die dem weichen malerischen Malstil Antonios nahestehen, also von ihm selbst bzw. seinen Gehilfen ausgeführt wurden, als auch Tafeln, die sich davon zu unterscheiden suchen, indem sie auf eine zeichnerische Maltechnik abzielen, u. a. durch die Konturierung der Formen. Diese Malweise trifft auch auf das Bild der heiligen Katharina zu: Zwar läßt sich in den Inkarnaten die typische kleinteilige Strichbildung der Temperamalerei erkennen, doch bleibt die Konturierung in dunkelbrauner Farbe an den Händen unübersehbar und gibt den Verweis auf Bartolomeo. Darüber hinaus sucht Bartolomeo im Unterschied zu Antonio Vivarini einen Figurenstil herauszubilden, der länglich ovale Gesichter bevorzugt und damit die Orientierung an Andrea Mantegna vermittelt. Auch in diesem Punkt zeigt die Katharina-Tafel eine deutliche Affinität zu den Werken des Bartolomeo Vivarini, insbesondere zu dem 1464 entstandenen Polyptychon in Osimo (Marken, Italien), wo die im oberen Stockwerk positionierten Figuren der heiligen Katharina und der heiligen Maria Magdalena eine ganz ähnliche Gesichtsform aufweisen, z. B. die unregelmäßig angelegten Augen oder die Bildung des Haars, das das Antlitz gleichmäßig kappenartig rahmt. Das Polyptychon aus Osimo gilt als eines der ersten Werke, in dem Bartolomeo seinen Individualstil entwickelt. Man dürfte vermuten, dass die Tafel der heiligen Katharina in dieser Zeit um 1465 entstanden ist und Bartolomeo Vivarini zugeschrieben werden kann.
Wir danken Frau Catarina Schmidt Arcangeli für die Unterstützung bei der Katalogisierung dieser Tafel.


 
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